|
Nürensdorf mit innovativem Alterskonzept "Modell Nüeri"
|
|
|
|
Ausgangslage und Auftrag Gemeinderat
|
|
Die bis 2020 absehbare, rasante Entwicklung der Personen über 80 Jahre in Nürensdorf (von heute 110 Personen auf rund 290 Personen / + 163 %) , der Wegfall der 14 bisher beanspruchten Pflegeplätze ab 2010 im Altersheim einer Nachbarsgemeinde und die steigenden Gesundheits- und Alterskosten der Gemeinde haben die Signale klar gesetzt. Der Gemeinderat von Nürensdorf hat diese Zeichen der Zeit erkannt und rasch gehandelt. Im Juni 2005 setzte er eine Arbeitsgruppe - unter dem Vorsitz von Gemeinderat Werner Tschannen - ein, mit dem Auftrag, ein umfassendes und innovatives Konzept für das "Wohnen im Alter" zu entwickeln. Für die begleitende Fachberatung und Projektbearbeitung wurde die im Gesundheitswesen spezialisierte Firma "topCare Management AG" in Zürich beauftragt.
|
|
Vorgehen Arbeitsgruppe und Ziele
|
|
Innerhalb von 6 Monaten hat die Arbeitsgruppe ein auf die Zukunft ausgerichtetes Konzept erarbeitet, das am 14. Juni der Bevölkerung von Nürensdorf vorgestellt wurde.
Nach Abklärung der künftigen Bedarfssituation aufgrund der demographischen Bevölkerungsentwicklung, der Tendenzen von sich verändernden Lebensgewohnheiten, der erwünschten Lebensqualität von betagten Personen und der für die Betroffenen wie auch für die Gemeinde zu erwartenden Kosten, wurden klare Ziele für das künftige Leben und Wohnen im Alter in Nürensdorf gesetzt.
Die Betagten der Gemeinde Nürensdorf sollen
- so lange als möglich zu Hause leben und wohnen bleiben
- eine begleitete Wohn-Alternative im Dorfzentrum wählen können
- aktiv, bewegt, gesund und lebensfroh bleiben
- sich selbständig, sicher, betreut und geborgen fühlen und gerne in Nüeri wohnen
Das Hauptziel war: einen Pflegeheim-Aufenthalt möglichst lange verhindern oder zumindest verkürzen können.
|
|
Resultat: Eine umfassende, innovative Angebotspalette
|
|
Nach Evaluation der Möglichkeiten hat die Arbeitsgruppe ein Gesamtkonzept für eine altersgerechte und -gerichtete Betagtenbetreuung erarbeitet. Dieses sieht 5 vernetzte neue Angebote vor, mit welchen die Bedürfnisse im Alter qualitativ hochstehend, innovativ und in der Praxis umsetzbar sowie längerfristig kostengünstig für die Betroffenen wie auch für die Gemeinde gedeckt werden sollen.
|
|
Mit "Nüri-Info" wird auf der Gemeinde eine kostenlose Anlaufstelle für Betagte und Angehörige geschaffen. Diese sorgt für die gezielte Information der Bevölkerung über Broschüren, Informationsblätter und in den Medien. Sie wirkt beratend, organisiert und koordiniert die notwendigen Angebote und überwacht die Qualität der angebotenen Dienstleistungen.
Als eigentlicher Motor für die Umsetzung des Konzeptes und dessen Wirksamkeit laufen bei dieser Stelle alle Fäden zusammen. Nebst der vertraulichen Verwaltung der Daten ist diese Stelle auch zuständig für die Besuchsplanung und die Terminvereinbarungen zum konsequenten und systematischen Einsatz der Präventionsfachperson.
|
|
Mit "Nüeri-Visit" soll die Gesundheitsförderung und Prävention aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden. Eine ausgebildete Fachperson für Prävention wird im Auftrag der Gemeinde und auf deren Kosten Besuche (Visiten) bei aktiven Pensionierten und betreuten Betagten machen.
Aktive Personen werden von ihr über sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten (Freiwilligen-Hilfe) sowie über physische und geistige Aktivitäten-Angebote im Dorf und in der Region orientiert.
Betreute Betagte werden je nach Situation und Bedarf informiert über die Möglichkeiten und das Angebot zur Steigerung des persönlichen Sicherheitsgefühls (bei Tag und in der Nacht), über sinnvolle Sicherheitseinrichtungen in der Wohnung, die begleitete Wohnalternative im Dorfzentrum oder falls notwendig über eine Pflege-Alternative in einem spezialisierten Heim in der Region.
|
|
Mit "Spitex24" erweitert die Gemeinde das Angebot der bestehenden öffentlichen Spitex Bassersdorf-Nürensdorf ganz entscheidend zugunsten der Sicherheit der betroffenen Betagten oder Handicapierten. Neu soll das Pflege- und Betreuungsangebot in Zusammenarbeit mit einem privaten Anbieter auf 24 Stunden während 7 Tagen ausgedehnt werden. Die Spitex wird gleichzeitig während 24 Stunden erreichbar sein, stellt Notruf-Alarmsysteme sowie weitere elektronisch gesteuerte Betreuungs-Geräte zur Verfügung und unterhält einen Pikettdienst.
Diese Dienstleistung soll zwar in der Regel durch die Betroffenen bzw. teilweise durch Zusatzversicherungen oder allenfalls die Ergänzungsleistung und andere Institutionen finanziert werden. Diese Dienstleistung ist jedoch wesentlich günstiger als der Aufenthalt in einem Pflegeheim und vor allem beinhaltet sie die Chance zum längeren Verbleib in den eigenen vier Wänden.
|
|
Mit "Nüeri-City" wird ein fachlich kompetent begleitetes Wohnzentrum in der Gemeinde angepeilt. Vorgesehen sind in einer ersten Etappe die Erstellung von ca. 15 Wohnungen mit 2 ˝ Zimmern und 10 Wohnungen mit 3˝ Zimmern. Das neue Wohnangebot soll in unmittelbarer Nähe des Zentrums von Nürensdorf erstellt werden, so dass Läden, öffentliche Einrichtungen und Verkehrsmittel gut erreichbar sind. Eine Pflegefachperson soll dem Wohnzentrum als Hausleitung vor Ort zur Verfügung stehen, um tagsüber akute Notfälle abzudecken und bei Bedarf die weitere Betreuung und Pflege zu organisieren.
Ein gemeinsamer Aufenthaltsraum sowie ein Besucherzimmer für auswärtige Angehörige sind ebenfalls geplant.
In weiteren Etappen sollen je nach Bedarf zusätzliche Wohnungen erstellt, ein Verpflegungs-, Wellness- und Fitnessbereich geschaffen sowie Raum für Geschäfte und Praxen im Gesundheits- und Beautybereich zur Verfügung gestellt werden.
"Nüeri-City" wird als Genossenschaft organisiert. Interessierte können somit Genossenschaftsanteile zeichnen und erhalten damit ein Mitsprache- und Aufnahmerecht. Zur Reduktion des Mietzinses werden im Rahmen der Planung noch weitere Systeme zur Mitfinanzierung der Überbauung durch Interessierte und BewohnerInnen geprüft.
|
|
Das "Nüeri-Netz" ist eine Organisation von freiwilligen Helfern auf privater Vereinsbasis.
Sie stehen im Einsatz für ältere, betagte oder handicapierte Personen, die im Alltag gelegentlich Unterstützung brauchen. Sie verrichten Arbeiten im Zusammenhang mit Haushalt, Einkauf, Verpflegung, Garten, Kleinreparaturen und Administration. Oder sie gehen auf Stip-Visite, leisten Gesellschaft, begleiten zu Arztbesuchen, zu Verwandten oder Bekannten und erbringen Beförderungsdienste aller Art. Diese Dienstleistung soll gegen ein bescheidenes Entgeld an das "Nüeri-Netz" erbracht werden.
Die Gründung des "Nüeri-Netzes" erfolgt im Rahmen der Umsetzung des "Nüeri-Modells" auf Initiative der Gemeinde. Freiwillige Personen jeden Alters werden gesucht, vor allem auch im Kreise aktiver Pensionierter, die noch gerne einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen und bei späterem Bedarf selber auch davon profitieren möchten. Die erbrachte Arbeit wird den Freiwilligen in der Regel mit Betreuungsgutschriften abgegolten, die bei Eigenbedarf wieder eingesetzt werden können. Anfallende Spesen werden selbstverständlich voll vergütet.
|
|
|
Fazit: Komplimente und Applaus der Bevölkerung
|
|
Mit diesen 5 neuen Grund-Angeboten ist es der Gemeinde Nürensdorf in hervorragender Art gelungen, ein umfassendes und wirksames Konzept zur künftigen Prävention, Betreuung und Pflege ihrer SeniorInnen - solange als möglich zu Hause oder in der vertrauten Umgebung des Dorfes - auf die Beine zu stellen.
Der Ansatz ist sehr viel versprechend, beschreitet Neuland und reizt in der Kombination dieser sinnvollen Angebote und Dienstleistungen auch zahlreiche, bisher brach gelegene Möglichkeiten aus. Dieser Weg in die Zukunft dürfte einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit und zum Wohlbefinden der älteren Generation und von Handicapierten in der Gemeinde leisten.
Die Praxis wird zeigen, welche Angebote eines weiteren Ausbaus bedürfen.
Die Bevölkerung von Nürensdorf hat die Arbeit der Arbeitsgruppe und das vorgelegte Konzept "Modell Nüeri" am Orientierungsabend (gegen 300 Anwesende) mit zahlreichen Komplimenten und grossem Applaus bedacht.
Besonderes Interesse wurde auch den aufgelegten Listen für Interessenten des geplanten, begleiteten Wohnzentrums "Nüeri-City" entegegengebracht, haben sich doch spontan 87 Personen eingetragen.
top
|